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INTERVIEW

Eine literarische Reise durch Indonesien

Was waren Ihre Erwartungen an Indonesien, bevor Sie die Reise angetreten haben?

Leif Randt: Eine Freundin hatte mich gebrieft. "Sanfte Menschen", "feuchte Hitze", "irre Natur".
Andreas Stichmann: Keine, ich kannte das Land gar nicht und hab mich auch bewusst nicht allzu sehr eingelesen, sondern wollte einfach unvoreingenommen schauen, was passiert.

Gab es bestimmte Erfahrungen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Leif Randt: Auf der kleinen Insel Leila vor der Küste der Hafenstadt Makassar wurde ich um Haaresbreite von einer herabfallenden Kokosnuss erschlagen.
In den Bergen von Bandung bin ich während einer HashHouse-Laufs verloren gegangen. Es war längst dunkel geworden, und ich glaubte, die Nacht in den Bergen verbringen zu müssen.
Der überraschende Schock, als ich die Partyinsel Gili-Trawangan betrat, und das, was ich für Indonesien hielt, mit einem Schlag verlassen hatte. Plötzlich wieder gottlose Weiße mit blasierten Gesichtern. Für einige Stunden missfiel mir das dann wirklich.

Andreas Stichmann: Ich habe ja Couchsurfing gemacht, und die Leute, die ich dabei getroffen habe, waren eigentlich die Interessantesten. Das schnelle Motorradfahren im chaotischen Verkehr, zu dem ich dadurch gekommen bin, hat mir gefallen. Die eindrücklichsten Gespräche waren die über Religion. Ich war überrascht, wie offen die jungen Muslime waren, die ich getroffen habe - man konnte über alles mit ihnen reden und sie alles fragen. Aus dem Iran, wo ich vorher mal eine Weile war, war ich eine etwas zugeknöpftere Haltung gewöhnt - wobei die Leute auch da natürlich sehr gastfreundlich und offen waren.

Wie haben Sie die indonesische Literaturszene wahrgenommen?

Leif Randt: Das Festival in Makassar hatte erstaunlich viel Charme. Abends schien die ganze Stadt auf den Beinen, um zu feiern. Die Studenten, die sich um die Autoren kümmerten, waren sehr motivierend und angenehm. Es gibt offensichtlich literaturbegeisterte Leute in Indonesien, generell viel Begeisterung, glaube ich. Das, was dort geschrieben wird, habe ich während des Aufenthaltes aber nicht wirklich kennen gelernt.

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Andreas Stichmann: Die Literaturveranstaltungen, die ich gesehen habe, schienen mir viel mehr auf Performance, Gemeinsamkeit und Spaß haben ausgerichtet zu sein, als Veranstaltungen in Deutschland es sind. Gesellschaftskritik, Gegenwartsbezogenheit u.Ä. schienen nicht so im Vordergrund zu stehen - und das vor einer Lesung getanzt wird, sieht man in Deutschland wohl auch eher selten. Das schien mir aber alles sehr schön - spaßiger und gemeinschaftlicher. Natürlich fiel auf, dass die Literaturszene einfach nicht so groß ist, dass nicht so viele Bücher erscheinen.

Werden wir in Ihren nächsten Werken eventuell den einen oder anderen Indonesien-Bezug finden?

Leif Randt: Wer genau genug sucht, wird etwas finden.

Andreas Stichmann: Das kann ich noch nicht sagen.

Das Interview führte Katrin Figge.

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ÜBER DIE DEUTSCHE SAISON

Indonesien und Deutschland sind durch eine langjährige Freundschaft verbunden - auf kultureller, wirtschaftlicher wie auch auf politischer Ebene. Von September bis Dezember 2015 feierte eine bunte und vielseitige Veranstaltungsreihe diese gute Beziehung: die Deutsche Saison.

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