Impressionen

none

INTERVIEW

mit Sandra Havlicek

none
none
none
Die junge Künstlerin Sandra Havlicek hat im Rahmen der Deutschen Saison die Installation "Tivoli To Go" für das Foyer des Goethe-Instituts kreiert. Wir haben mit ihr über das Konzept ihres Werkes und ihre Erfahrungen in Indonesien gesprochen.

Könnten Sie uns zunächst etwas über Ihren Hintergrund erzählen?

Ich lebe in Frankfurt am Main. Dort bin ich auch geboren und habe zuerst an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und dann an der Städelschule studiert. Das ist jetzt 4 Jahre her. Frankfurt ist ziemlich klein, aber ich habe dort ein sehr gutes Netzwerk, das es mir ermöglicht, gut arbeiten zu können. Deswegen habe ich mich entschieden, auch nach dem Studium dort zu bleiben. Ich wollte eigentlich Architektin werden, bin dann aber doch ziemlich schnell bei der Kunst gelandet, was auch nach wie vor mein absoluter Traumberuf ist. Und mein Faible für Architektur kann ich so wahrscheinlich noch viel besser ausleben.

Wie kam die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut zustande?

Mein ehemaliger Professor, Tobias Rehberger, kuratiert zusammen mit dem indonesischen Künstler Ade Darmawan das Kunstprojekt Market Share im Rahmen der Deutschen Saison. Als ihn das Goethe-Institut gefragt hat, ob er jemanden kennt, der sich künstlerisch mit dem Foyer des Instituts auseinandersetzen will, hat er mich gefragt ob ich „Bock auf Jakarta“ habe. Hatte ich!

Was ist der Hintergrund Ihrer Arbeit „Tivoli To Go“, die man nun im Foyer des Goethe-Instituts sehen kann? Könnten Sie uns das Konzept erklären?

Ich arbeite oft mit Materialien und alltäglichen Gegenständen, die im Zusammenhang mit Transformationen und einer möglichen Flexibilität stehen. Dabei interessieren mich die innere Logik von Dingen und funktionale Prozesse, die ich in meinen Arbeiten versuche aufzubrechen und in neue Sinnzusammenhänge zu bringen.

Bei der Anfrage des Goethe-Instituts ging es darum, das Foyer mit einer künstlerischen Arbeit zu bespielen, die gleichzeitig auch als eine Art "Lounge-Situation" funktionieren kann. Da ich für das Goethe-Institut eine raumspezifische Arbeit konzipieren sollte, wollte ich natürlich auch auf die Umgebung vor Ort eingehen. Ein absolut signifikantes Merkmal Jakartas ist für mich der rasante städtische Wandel. Hier scheint alles im Umbruch zu sein, nichts steht still, es ist ein irrsinniges Gewusel und Chaos – als ob man nach vorne prescht, dabei aber im Zickzack läuft.

Für diesen Zustand ist das Baugerüst eine schöne Metapher. Es ist eine temporäre Architektur, die aber das Stadtbild einer rasant wachsenden Stadt ebenso prägt wie die Architektur selber. Es ist physischer Ausdruck eines städtischen Wandels und macht den Prozess des gesellschaftlichen Fortschritts greifbar. Es vermittelt aber auch einen Eindruck über den dahinter versteckten Irrsinn, die Gerüste wirken fragil – ein komplexes, turmhohes Durcheinander aus Stangen, das keiner durchschauen kann.

In meiner Installation "Tivoli To Go" versuche ich, diesen städtischen Irrsinn aufzugreifen und mit der Kombination aus farbigen Baugerüsten, Beanbags und Hängematten in einen Ort zu transformieren, der sich ebenso in keinen fixen Zustand befindet und wandelbar bleibt, aber trotzdem zu einem Ort werden kann, an dem man verweilen möchte, um mit dem Chaos zu paktieren.

“Tivoli To Go” ist meine Sicht einer komprimierten Großstadt-Situation, in der die Leute, die sich darin bewegen, mit einem Ort konfrontiert werden, der sich einer gewissen Logik entzieht, und in dem man sich erst einmal zurechtfinden muss und sich seinen Platz erobern kann.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

In erster Linie wahrscheinlich der straffe Zeitrahmen, aber das ist ja eigentlich meistens der Fall. Und natürlich die Kommunikation… Ich war zu einer Vorabbesichtigung für 5 Tage in Jakarta und musste in dieser Zeit – kurz nach Ramadan, wo viele Leute noch im Urlaub waren – Firmen ausfindig machen, mit denen ich zusammenarbeiten könnte.

Das hat gerade so geklappt. Dann habe ich von Deutschland aus über Mitarbeiter des Goethe-Instituts die Details geregelt. Über so eine Distanz passieren natürlich einige Missverständnisse, sprachlich oder auch kulturell bedingt. Wie erklärt man zum Beispiel per E-Mail ein bestimmtes Orange, ohne dass die Firma einen Farbcode zur Hilfe zieht? Aber zum Ende hat alles wunderbar funktioniert, und um ehrlich zu sein gefällt es mir auch wenn man sich ein wenig “durchwurschteln” muss.

Sie haben nun einige Zeit in Indonesien verbracht. Wie sind Ihre Eindrücke bislang?

Dies ist meine erste Reise in eine asiatische Großstadt. Da ist man natürlich erst einmal permanent am Staunen, egal was man schon gehört oder auf Fotos gesehen hat. Die Zeit läuft hier komplett anders, wegen den großen Distanzen und den Verkehrsstaus. Das war teilweise richtig anstrengend.

Ansonsten bin ich sehr beeindruckt von der Energie der Jugend hier. Ich habe das Gefühl, dass die Leute viel mehr zusammenkommen, unabhängig von der eigenen Spezifikation, und besonders im Vergleich zu Deutschland. Da bleiben die Szenen oftmals eher unter sich, Künstler mit Künstlern, Musiker mit Musikern und Tänzer mit Tänzern. Hier habe ich das Gefühl, dass das "Machen" im Vordergrund steht, obwohl es einem in Jakarta nicht unbedingt einfach gemacht wird. Ich habe jetzt schon, in der relativ kurzen Zeit, viele interessante Menschen kennengelernt und wurde außergewöhnlich herzlich aufgenommen. Das ist toll! Außerdem gefällt mir der Humor der Indonesier und das ist mir sehr wichtig.

Und ich bin ein sehr großer Fan von dem Durcheinander geworden….es gibt hier noch wahnsinnig viel zu entdecken, und ich habe gerade erst angefangen. Da werde ich wohl noch einmal wiederkommen.

none

ÜBER DIE DEUTSCHE SAISON

Indonesien und Deutschland sind durch eine langjährige Freundschaft verbunden - auf kultureller, wirtschaftlicher wie auch auf politischer Ebene. Von September bis Dezember 2015 feierte eine bunte und vielseitige Veranstaltungsreihe diese gute Beziehung: die Deutsche Saison.

MEHR

 

KONTAKT

Jl. Sam Ratulangi 9-15, Jakarta 10350
Tel: (+62) 21 235 502 08
Fax: (+62) 21 235 500 21
info@jakarta.goethe.org

IMPRESSUM