Impressionen

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INTERVIEW

mit Antje Rávic Strubel

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Sie waren vor der Autorenresidenz schon einmal kurz in Indonesien. Was hat Sie zu diesem längeren Aufenthalt bewogen? Welche Erwartungen hatten Sie?

Mein erster Aufenthalt in Indonesien fand im Rahmen einer Regierungsreise statt, und das bedeutet, dass man vom Land wenig mehr sieht als ein Hotel und einige touristische Highlights, dafür aber einen kleinen Einblick bekommt in die Schwerpunkte der aktuellen Außenpolitik. Die anderthalb Tage in Jakarta haben bei mir aber einen solchen Eindruck hinterlassen - unter anderem durch die Begegnung mit Andrea Hirata und den Besuch eines Kinderdorfs -, dass ich neugierig wurde. Und obwohl mir nördliches Klima und kühlere Temperaturen mehr liegen, hatte ich Lust, mir Indonesien genauer anzusehen, wovon ich lange nichts weiter wusste, als dass es dort gute Kaffeebohnen gibt und sagenhafte Tempel.

Welche Ereignisse sind Ihnen während Ihrer Reise durch das Land besonders in Erinnerung geblieben?

Eine Wanderung durch ein Feld mit Chilischoten. Der Baum, der in meinem Badezimmer wuchs. Bananenhaine und Reisfelder. Das laute Röhren im Krater des Bromo. Die doppelte Welle, mit der sich der Indische Ozean wenige Meter vor den Stränden bricht. Die Schildkröte, die mir beim Kaffeekochen zuschaute. Ein Teakbaum. Regenbewaldete Berge. Der Plastikrasen im Stadtzentrum von Bandung. Aus Korallen errichtete Gartenmauern und der betrunken langsame Flug der Mücken. Und da sagte mir vorher noch jemand, Natur gelte in diesem Land als gefährlich…

Hatten Sie die Möglichkeit, die indonesische Literaturszene genauer kennen zu lernen? Welche Eindrücke haben sie aus den Begegnungen mitgenommen?

Nach Gesprächen mit einigen Autorinnen und Autoren, darunter Andrea Hirata, Iwan Bajang, Laksmi Pamuntjak und Saut Situmorang ist mir aufgefallen, dass außerhalb Indonesiens diejenigen am präsentesten sind, die versuchen, Schreibweise und Inhalt ihrer Texte auf einen westlichen Blick hin zu konzipieren. Hirarta wurde international berühmt, nachdem ihn eine amerikanische Agentur „entdeckt“ hatte und sein Roman in veränderter Form erschien, Laksmi Pamuntjak, die in den USA studierte, hat ihren Roman „Alle Farben Rot“ gleich auf englisch verfasst. Ob das den Romanen immer zum Vorteil gereicht, sei dahingestellt. Innerhalb der indonesischen Literaturszene scheint es außerdem– ähnlich, wie es einmal in der DDR der Fall war – ideologische Grabenkämpfe zu geben, die auf die jüngere politische Vergangenheit zurückzuführen sind, aber auch religiöse Ursachen haben und deren Dimensionen und Debatten einer Außenstehenden nur schwer zugänglich sind. Und dann gibt es noch jene jungen Autoren, die zugleich Verleger sind und versuchen, an den Grabenkämpfen, dem fürs westliche Publikum zugeschnittenen Mainstream und religiösen Auseinandersetzungen vorbei junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu fördern, die sie eines Tages einmal prägen werden; diese indonesische Literatur.

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ÜBER DIE DEUTSCHE SAISON

Indonesien und Deutschland sind durch eine langjährige Freundschaft verbunden - auf kultureller, wirtschaftlicher wie auch auf politischer Ebene. Von September bis Dezember 2015 feierte eine bunte und vielseitige Veranstaltungsreihe diese gute Beziehung: die Deutsche Saison.

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